Reizfütterung & Notfütterung: starke Bienenvölker im Frühjahr

Es ist Ende Januar, die Sonne steht tief, und du stehst vor deinen Beuten. Drinnen sitzt das Volk in der Wintertraube und zehrt seit Monaten von seinen Vorräten. Genau jetzt entscheidet sich oft, ob dein Volk im Frühjahr durchstartet oder kümmert. Zwei Begriffe rücken in dieser Zeit in den Mittelpunkt: Notfütterung und Reizfütterung. Das eine rettet ein Volk vor dem Verhungern, das andere bringt es kraftvoll in die Saison. In diesem Beitrag zeige ich dir, wann du eingreifen musst, wie du das Stockgewicht im Blick behältst und warum Eiweiß im Frühjahr über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Kurzüberblick: Du erfährst, wie du über eine Gewichtskontrolle einen drohenden Futtermangel erkennst, wie du im Winter sicher mit Futterteig nachfütterst und wie du dein Volk im Vorfrühling mit eiweißreicher Reizfütterung gezielt in die Brut bringst.

Warum der Spätwinter über die Saison entscheidet

Im Herbst hast du dein Volk eingewintert, den Honig längst geerntet und mit Flüssigfutter den Winterproviant aufgefüllt. Im Winter kommt nichts mehr hinzu – das Volk verbraucht nur noch. Das Stockgewicht sinkt also stetig, Woche für Woche. Wer im Herbst zu knapp gefüttert hat oder dessen Volk besonders viel verbraucht, läuft jetzt Gefahr, dass die Vorräte vor der ersten Tracht ausgehen.

Als Faustwert solltest du im Herbst zwischen 14 und 18 Kilogramm Futter einlagern – kleine, quadratische Beuten mit zehn Rähmchen kommen eher mit 14 Kilogramm aus, große Zander- oder Dadant-Beuten brauchen 16 bis 18 Kilogramm. Auch Fachstellen wie das Bieneninstitut Celle nennen für ein Volk eine Größenordnung von rund 15 bis 20 Kilogramm Winterfutter, abhängig von Volksstärke und Länge der trachtlosen Periode. Wie du dein Futter grundsätzlich richtig ansetzt und dosierst, liest du im Handbuch zur Bienenfütterung.

Notfütterung: erkennen, kontrollieren, handeln

Verhungern erkennen

Eine Notfütterung wird dann nötig, wenn dem Volk schlicht das Futter ausgeht. Ein klassisches Zeichen entdeckst du leider erst zu spät: Bienen, die mit dem Hinterleib voran tief in den leeren Zellen stecken, oft viele auf einmal. Das deutet auf ein verhungertes Volk hin. Genau diese Situation willst du vermeiden – und das gelingt nur, wenn du den Futtervorrat im Blick behältst, ohne die Beute zu öffnen.

Gewicht und Kippkontrolle

Im Winter darfst du die Völker nicht öffnen und die Waben ziehen. Stattdessen arbeitest du mit dem Gewicht. Notiere dir am besten schon im Spätherbst das Leergewicht deiner Beute – Boden, Zargen, Deckel, Rähmchen und Mittelwände. Die Bienenmasse selbst wiegt grob so viel wie ein bis zwei Flaschen, also rund ein bis zwei Kilogramm. Aus Leergewicht plus Futter ergibt sich dein Startgewicht.

Mit einer Kipp- oder Kofferwaage, die du hinten am Boden ansetzt, hebst du die Beute leicht an und liest das Gewicht ab. Näherst du dich im Lauf des Winters dem reinen Leergewicht, ist das dein Alarmsignal: Jetzt musst du zufüttern. Diese Kontrolle solltest du regelmäßig durchführen, denn der Verbrauch schwankt je nach Volksgröße und Temperatur stark.

Mit Futterteig richtig nachfüttern

Für die Notfütterung eignet sich ein klassischer Zuckerfutterteig auf Kristallzuckerbasis – keine Spezialmischung mit Zusätzen, einfach reines Futter. Flache Pakete von rund einem Kilogramm haben den Vorteil, dass du sie direkt auf die Rähmchen legen kannst. Positioniere den Teig immer dort, wo du die Wintertraube vermutest, und öffne die Folie großflächig, statt nur ein kleines Loch zu schneiden. So müssen die Bienen sich nicht weit von der wärmenden Traube entfernen.

Greife möglichst an einem milden, sonnigen Tag ein. Hebe den Innendeckel ab, lüfte die Folie nur leicht und schiebe den Teig darunter – so ruhig wie möglich. Ein wichtiger Punkt: Futterteig muss von den Bienen mit Wasser angelöst werden. An milden Wintertagen holen sie sich Wasser selbst; eine nahe Wasserschale hilft zusätzlich. Ist alles tief gefroren, gib lieber kleinere Mengen und warte, bis die Bienen wieder Feuchtigkeit eintragen können. Für gezielte, kleinere Gaben außerhalb der Frostphasen ist auch eine Futtertasche praktisch.

Reizfütterung: das Volk in die Brut bringen

Sobald es ab Februar oder März milder wird, ist die reine Notfütterung Geschichte. Jetzt geht es um ein anderes Ziel: Du möchtest ein besonders starkes Volk heranziehen, das schnell in die Brutaktivität kommt. Denn nur ein Volk, das früh viele Bienen aufbaut, hat zu den großen Trachten genug Sammlerinnen. Hier setzt die Reizfütterung an – eine Zusatzfütterung, die die Königin anregt, kräftige Brutnester anzulegen.

Warum Eiweiß und Pollen so wichtig sind

Reine Zuckerfütterung reicht für die Reizfütterung nicht. Für die Brutpflege brauchen die Bienen Eiweiß, das sie normalerweise über Pollen decken. Nach dem Winter sind die Pollenvorräte aber oft aufgebraucht. Fehlt das Eiweiß, kann es kritisch werden: Laut Fachinformationen des Bieneninstituts Celle ist Pollen die zentrale Quelle für Proteine und Aminosäuren, ohne die die Brutpflege nicht auf hohem Niveau läuft.

Im Extremfall räumen unterversorgte Völker bereits angelegte Brut wieder aus, um das enthaltene Eiweiß zurückzugewinnen – eine Art Selbstschwächung des Volkes. Genau das willst du verhindern. Mit eiweißreichem Futter sicherst du, dass die begonnene Brut auch durchgezogen wird. Wie sich Energie- und Eiweißversorgung sinnvoll ergänzen, zeigt unser Beitrag zu InvertoFix und ApiForte im Bienenfutter.

Proteinfutterteige sinnvoll einsetzen

Am einfachsten gelingt die Reizfütterung im Frühjahr mit einem fertigen Proteinfutterteig. Diese Teige enthalten zusätzlich zum Zucker Aminosäuren, Vitamine und teils echten Pollen – alles, was das Volk für eine kräftige Brutentwicklung braucht. Achte beim Kauf auf einen möglichst hohen, hochwertigen Eiweißanteil. Ein praxiserprobtes Beispiel mit echtem, keimfreiem Bienenpollen ist der HiveAlive Protein Pollen Futterteig, den du flach auf die Rähmchen legst.

Lege den Teig wieder traubennah auf und nutze die flachen Pakete, damit kein unnötiger Hohlraum entsteht. Ein einfacher Adapter, mit dem du ein Loch in die Folie arbeitest und den Beutel aufstellst, vergrößert die Abnahmefläche und beschleunigt die Aufnahme. So gibst du der Königin den Reiz, deutlich mehr Stifte zu legen – und das Volk zieht eine starke Generation Jungbienen heran, die deine Saison einleitet.

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Schon gewusst?

Ein Bienenvolk benötigt über das Jahr eine erstaunliche Menge Pollen – Schätzungen sprechen von rund 30 Kilogramm pro Jahr und Volk. Diese gewaltige Eiweißmenge zeigt, wie zentral Pollen für die Volksentwicklung ist. Gerade im pollenarmen Vorfrühling füllt eine gezielte Reizfütterung diese Lücke, bis draußen wieder genug blüht.

Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest

  • Gewicht nicht dokumentiert: Ohne Startgewicht im Herbst tappst du im Winter im Dunkeln. Wiege deine Beute leer und notiere dir das Futtergewicht.
  • Bei Frost geöffnet: Greife nur an milden, sonnigen Tagen ein und lüfte die Folie nur leicht, damit möglichst wenige Bienen aufsteigen.
  • Reizfütterung zu früh: Wer zu früh, bei zu wenig Restfutter oder ohne Pollenversorgung anreizt, regt Brut an, die das Volk nicht sicher versorgen kann.

Ein starkes Frühjahrsvolk zahlt sich gleich doppelt aus: Es bringt höhere Honigerträge und erlaubt dir später, leichter Ableger zu bilden. Behalte parallel die Milbenlast im Auge, wie im Ratgeber zu effektiven Varroa-Behandlungen beschrieben.

Häufige Fragen zur Frühjahrsfütterung

Die Notfütterung versorgt ein Volk schnell mit Energie, wenn das Winterfutter ausgeht – meist mit reinem Zuckerfutterteig. Die Reizfütterung im Vorfrühling regt dagegen die Brutaktivität an und nutzt dafür eiweißreiches Futter mit Aminosäuren und Pollen.

Als Orientierung gelten 14 bis 18 Kilogramm, bei großen Beuten eher 16 bis 18 Kilogramm. Fachstellen nennen Spannen von rund 15 bis 20 Kilogramm, abhängig von Volksstärke, Beutentyp und Dauer der trachtlosen Zeit.

Sinnvoll ist der Start, wenn es im Februar oder März milder wird, die Bienen langsam ausfliegen und ein Mindestmaß an Futter vorhanden ist. Bei anhaltender Kälte oder zu knappen Vorräten ist Zurückhaltung besser.

Ja. Futterteig muss erst mit Wasser angelöst werden. An milden Tagen holen sich die Bienen Wasser selbst, eine nahe Wasserschale hilft. Bei Dauerfrost gib lieber kleinere Mengen, bis sie wieder Feuchtigkeit eintragen können.

Quellen und weiterführende Informationen

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