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Brutraum aufsetzen: Wann, wie und worauf du achten musst
Den zweiten Brutraum zur richtigen Zeit aufzusetzen, entscheidet im Frühjahr über starke Völker, gesunden Bautrieb und eine ruhige Schwarmsaison. Hier erfährst du, woran du den richtigen Zeitpunkt erkennst, wie du dabei vorgehst und welche Fehler du vermeiden solltest.
Es ist ein milder Apriltag, die Salweide blüht, und beim ersten Blick in die Beute quillt dir das Volk förmlich entgegen. Die Bienen sitzen dicht in allen Wabengassen, die Königin hat fast jede Wabe bestiftet, und du spürst: Hier wird der Platz knapp. Genau dieser Moment ist einer der spannendsten im Imkerjahr. Setzt du jetzt den zweiten Brutraum auf, gibst du deinem Volk Raum zum Wachsen. Wartest du zu lange, kippt die Stimmung schnell Richtung Schwarm. Die gute Nachricht: Mit ein paar klaren Kriterien triffst du diese Entscheidung sicher – ganz ohne Bauchgefühl-Lotterie.
Leitfaden
Erkennen: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Aufsetzen?
Die wichtigste Regel zuerst: Entscheide nach der Volksstärke, nicht nach dem Kalender. Das Datum gibt dir nur eine grobe Orientierung, das Volk selbst zeigt dir, was es braucht.
Ein bewährter Richtwert aus der imkerlichen Praxis ist die 80-Prozent-Regel: Sobald rund 80 Prozent der vorhandenen Zarge mit Bienen besetzt sind, wird der Platz zum Engpass. Achte dabei auf drei Signale:
- Besetzte Wabengassen: Fast alle Gassen sind aktiv mit Bienen gefüllt.
- Großes Brutnest: Die Brut erstreckt sich über nahezu alle Waben, nur die Randwaben bleiben außen.
- Volk „quillt über“: Die Beute wirkt voll, vereinzelt hängen Bienen am Flugloch oder es entsteht Wildbau.
Als zeitliche Faustregel gilt: Die Salweidenblüte markiert oft den Start für die Brutraumerweiterung, die Kirschblüte den Zeitpunkt, an dem ein zweiter Raum spätestens fällig wird. Je nach Region und Witterung liegt das meist zwischen Mitte März und Mitte April. Für die Kontrolle wählst du am besten einen flugtauglichen Tag mit über 15 °C – dann kannst du einzelne Rähmchen ziehen und den Ausbauzustand sicher beurteilen, ohne das Brutnest auskühlen zu lassen.
Wichtig ist die Unterscheidung der Völker: Einräumig überwinterte Völker brauchen die Erweiterung meist dringend, weil sie sonst in ihrer Entwicklung gebremst werden. Zweizargig überwinterte Wirtschaftsvölker haben dagegen schon genug Brutraum – hier beschränkt sich die Frühjahrsarbeit oft auf Wabenhygiene und später den Honigraum.
Verstehen: Aufsetzen oder untersetzen?
Beim Erweitern hast du zwei Möglichkeiten, und beide haben ihre Berechtigung.
Aufsetzen ist der Klassiker im Magazinbetrieb: Die neue Zarge kommt oben auf den bestehenden Brutraum. Der Vorteil liegt auf der Hand – Wärme steigt nach oben, und kräftige Völker nehmen den neuen Raum zügig an.
Untersetzen bedeutet, die neue Zarge unter den bestehenden Brutraum zu stellen. Das schont den Wärmehaushalt des Brutnestes besonders gut und verhindert, dass der obere Raum sofort „verhonigt“ wird. Diese Variante eignet sich vor allem für etwas schwächere Völker oder wenn die Nächte noch kühl sind.
Gerade bei kleineren oder im Aufbau befindlichen Völkern entscheidet der Wärmehaushalt über den Bruterfolg. Wer das Brutnest gezielt einengt und den nicht besetzten Raum dämmt, hilft den Bienen beim Heizen. Ein Thermoschied zur Brutraum-Einengung kann hier sinnvoll sein, weil es den tatsächlich besetzten Bereich abgrenzt und Wärmeverluste über die Beutenwand reduziert – so muss das Volk nicht unnötig leere Wabengassen mitheizen.
Handeln: So setzt du den Brutraum richtig auf
Wenn die Kriterien stimmen, gehst du Schritt für Schritt vor.
1. Die neue Zarge vorbereiten
Setze niemals eine komplett leere Zarge auf. Eine gute Mischung sieht so aus:
- 1 bis 2 ausgebaute Waben mittig: Sie locken Bienen und Königin nach oben und erhöhen die Chance, dass die Zarge angenommen wird.
- Mehrere Mittelwände: Sie nutzen den Bautrieb deiner Bienen für die Wabenerneuerung.
- Ein Leer- oder Drohnenrahmen am Brutnestrand: ideal für gezielten Drohnenbau und als Baustelle für den Bautrieb.
Wer im Frühjahr ohnehin Waben erneuert, ist mit einem fertig gedrahteten Set aus Rähmchen und pestizidfreien Mittelwänden gut bedient, weil sich die neue Zarge damit schnell und sauber bestücken lässt.
2. Richtig platzieren
Im klassischen Magazin mit zwei Bruträumen wird die zweite Zarge einfach aufgesetzt. Liegt bereits ein Honigraum auf dem Volk, kommt der zweite Brutraum in der Regel zwischen ersten Brutraum und Honigraum. Eine wichtige Regel gilt immer: Reiße das Brutnest nicht auseinander. Hänge also keine Leerrähmchen mitten zwischen die vorhandenen Brutwaben, sondern erweitere am Rand des Brutnestes.
3. Nachkontrolle nicht vergessen
Nach etwa zwei Wochen schaust du nach, ob die neue Zarge angenommen wurde und ob die Bienen mehr Platz einnehmen. Erst wenn die Einheit gut besetzt ist, folgt der nächste Schritt – etwa der Honigraum zur einsetzenden Tracht. Behalte in dieser Phase auch den Futtervorrat im Auge, denn bei kühlem Wetter und starker Brutaktivität schwinden die Reserven schnell.
Schon gewusst?
Viele erfahrene Imker erweitern nicht nach Thermometer, sondern nach Pflanzenkalender. Die Salweide ist dabei ihr stiller Berater: Blüht sie, beginnt die Massentracht-Vorbereitung – und das Volk signalisiert über besetzte Waben, wann es so weit ist. Laut den Fachhinweisen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau wird in durchschnittlichen Jahren zu Beginn der Kirschblüte im Magazin der zweite Brutraum benötigt.
Häufige Fehler beim Brutraum aufsetzen
- Zu spät erweitern: Platzmangel ist einer der stärksten Auslöser für Schwarmstimmung. Wer den Engpass verschläft, riskiert das Abschwärmen.
- Zu früh oder zu groß erweitern: Bei kühler Witterung und schwachen Völkern kann zu viel Raum das Brutnest auskühlen. Dann sind Untersetzen oder schrittweise Erweiterung die bessere Wahl.
- Das Brutnest zerreißen: Leerrähmchen mitten ins Brutnest zu hängen, stört die Integrität des Brutnestes. Erweitere immer am Rand.



