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Bienenkönigin zusetzen: 3 Methoden für sichere Annahme
Das Paket liegt im Briefkasten – klein, unscheinbar, kaum zwei Zentimeter hoch. Du machst es auf und da sitzt sie: deine neue Königin, umgeben von ein paar Begleitbienen, gut versorgt mit Futterteig. Jetzt schlägt dein Herz schneller, denn der spannendste Moment beginnt erst. Wie bekommst du diese kleine, wertvolle Biene so in dein Volk, dass sie auch wirklich angenommen wird? Genau darum geht es hier. Ich zeige dir, wie die Königin sicher bei dir ankommt, welche drei bewährten Verfahren zum Zusetzen es gibt und welche Fehler du dir besser ersparst.
Kurzüberblick: Du erfährst, was nach der Ankunft der Königin zu tun ist, wie du sie über Kunstschwarm, Brutableger oder Völkerteilung einweiselst und warum Ruhe, der richtige Zeitpunkt und ein guter Zusetzkäfig über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Leitfaden
Die Königin ist da – was jetzt zu tun ist
Viele Königinnen reisen als kleines Kleinpaket und werden teilweise sogar wie ein Brief zugestellt. Wenn du also eine unscheinbare, flache Sendung im Briefkasten findest, leg sie nicht achtlos zur Seite – darin steckt dein neues Herzstück fürs Volk. Im kleinen Transportkäfig sitzt die Königin mit etwa sechs bis zehn Jungbienen und genug Futterteig, um problemlos einige Tage versorgt zu sein.
Trotzdem gilt: Schütze die Königin vor extremer Hitze und Kälte. Leg den Käfig niemals in die pralle Sonne oder aufs Armaturenbrett im Auto. Ein kühler, schattiger und ruhiger Platz im Haus ist ideal, bis du sie zusetzt. Und ganz wichtig: Bereite das aufnehmende Volk am besten schon vor der Ankunft vor. Wer erst loslegt, wenn die Königin da ist, verliert wertvolle Zeit – und Annahmechancen.
Warum ein Volk eine fremde Königin überhaupt annimmt
Bevor wir zu den Verfahren kommen, lohnt ein kurzer Blick auf das „Warum“. Eine Königin steuert ihr Volk über Duftstoffe, die Königinnenpheromone. Sie signalisieren: Hier ist alles in Ordnung, eine fruchtbare Königin ist vorhanden. Forschungsarbeiten etwa zu den Königinnenpheromonen der Honigbiene zeigen, wie stark dieser Duft das soziale Gefüge im Stock prägt.
Eine fremde Königin wird am ehesten akzeptiert, wenn das Volk weisellos und ruhig ist und sich Duft auf Duft langsam angleichen kann. Genau deshalb empfiehlt die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, neue Königinnen über einen Zusetzkäfig oder eine Vereinigung einzubringen, damit diese Duftanpassung gelingt. Je mehr ein Volk dagegen bereits auf eine eigene oder fehlgeleitete Fortpflanzungsordnung eingestellt ist, desto schwieriger wird das Einweiseln.
Drei bewährte Verfahren, die Königin zuzusetzen
Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Welches Verfahren passt, hängt von Jahreszeit, Volkszustand und deiner Vorbereitungszeit ab. Diese drei Methoden haben sich in der Praxis bewährt.
1. Das Kunstschwarm-Verfahren
Der Kunstschwarm ist wohl das bekannteste Verfahren. Du fegst dafür rund anderthalb Kilogramm Bienen zu einem künstlichen Schwarm zusammen. Später im Jahr, etwa ab Mitte Juni, dürfen es ruhig zwei Kilogramm sein, damit sich das Volk noch kräftig aufbaut. Der große Vorteil: Im Kunstschwarm wird die Königin in der Regel sehr gut angenommen, weil die Bienen aus ihrem alten Gefüge gerissen sind und neu beginnen.
Es gibt aber einen Haken, vor dem ich dich ausdrücklich warne. Der Kunstschwarm baut sein Brutnest innerhalb einer Woche voll aus. Danach legt die Königin kurzzeitig weniger Eier, ihr Pheromonpegel sinkt – und genau in dieser empfindlichen Phase reagieren die Bienen schnell gereizt. Wer dann täglich nachschaut und stört, riskiert, dass die Königin abgestochen wird. Mein Rat lautet deshalb in drei Worten: Ruhe, Ruhe, Ruhe. Kontrolliere nach ein paar Tagen kurz auf Polleneintrag, lass das Volk dann aber bis zum Schlupf der ersten Jungbienen in Frieden.
2. Der Brutableger mit Zellenbruch
Diese Methode braucht etwas Vorlauf, ist aber sehr zuverlässig. Du bildest einen kleinen Brutableger aus zwei Waben und lässt das Völkchen zunächst Weiselzellen ziehen. Nach sieben Tagen brichst du sämtliche dieser Zellen und setzt erst dann deine bestellte Königin zu. Das Volk ist jetzt endgültig „hoffnungslos“ weisellos und nimmt die neue Königin bereitwillig an.
Wichtig ist die Planung: Du musst rund eine Woche vor der Königin mit dem Ableger starten. Kommt die Königin und du fängst erst dann an, passt das Timing nicht mehr. Wie du ein solches Jungvolk sauber aufbaust, liest du Schritt für Schritt in unserem Ratgeber zum Ableger bilden für Einsteiger.
3. Königinnen-Tausch über Völkerteilung
Willst du in einem Volk umweiseln, das nicht richtig taugt, kommt es stark auf den Zeitpunkt an. Solange Drohnen im Volk sind, ist der Tausch heikel, weil das Volk eine fremde Königin schlechter akzeptiert. Im Frühjahr, bevor die ersten Drohnen schlüpfen, sowie im Herbst nach der Drohnenschlacht lässt sich dagegen vergleichsweise problemfrei umweiseln.
Ein praktischer Trick im Sommer: Teile ein schwächelndes Volk in zwei oder drei Ableger. Durch diese Störung des Pheromongefüges kannst du anschließend deutlich sicherer eine junge Königin einweiseln. Ob du dabei zur sanftmütigen Carnica oder zur Buckfast greifst, ist Geschmackssache – beide Linien haben ihre Stärken, wie unser Vergleich zu Buckfast oder Carnica zeigt.
Der Zusetzkäfig: kleiner Helfer, große Wirkung
Egal für welches Verfahren du dich entscheidest, ich setze meine Königin immer über einen Zusetzkäfig zu. Warum? Setzt du die Königin direkt ins Volk und die Bienen sind durch das Hantieren noch aufgewühlt, kann es sein, dass sie in Panik gerät, losrennt und abgestochen wird. Im Käfig hat sie ein Schutzfenster, bis sich das Volk akklimatisiert und beruhigt hat.
Der Trick steckt im Futterteig-Verschluss: Die Bienen fressen sich langsam durch, kommen dabei in engen Kontakt mit der Königin und gewöhnen sich an ihren Duft – ohne sie sofort erreichen zu können. Diese zeitlich dosierte Freigabe ist der eigentliche Schlüssel zur Annahme. Ein praxiserprobtes Modell ist der Zusetzkäfig Iltis mit Holzverschluss, den du direkt in die Wabengasse zwischen die Brut hängst. Wichtig: Entferne vorne den Plastikclip, damit die Bienen den Futterteig wirklich auffressen können – sonst arbeiten sie sich am Verschluss ab und die Königin kommt nie frei.
Begleitbienen drinlassen oder rausnehmen?
Diese Frage kommt immer wieder. Meine klare Empfehlung: Lass die Begleitbienen für die Zeit des Ausfressens im Käfig. Ist das Volk in der richtigen Stimmung, machen die wenigen Begleitbienen keine Probleme. Nimmst du sie dagegen vorschnell heraus, kann die Königin im schlimmsten Fall wegfliegen oder verloren gehen.
Falls du die Begleitbienen doch entfernen möchtest, mach das niemals draußen am Stand, sondern zu Hause am geschlossenen Fenster. Fliegt die Königin auf, kannst du sie so wieder einfangen. Setze sie anschließend zügig mit den Begleitbienen und geöffnetem Futterteig-Zugang ins Volk.
Schon gewusst?
Die ideale Phase zum Umweiseln liegt oft nach der Haupttracht. Die Fachstelle Bienen.ch nennt für das Zusetzen begatteter Königinnen Mitte September bis Ende Oktober als günstige Voraussetzung, weist aber darauf hin, dass dann weniger Königinnen verfügbar sind. Je nach Betriebsweise kann auch ein früheres Umweiseln sinnvoll sein – entscheidend bleiben Volksstärke und ein ruhiges, weiselloses Volk.
Häufige Fehler beim Zusetzen
- Zu viel Kontrolle: Ständiges Nachschauen, besonders beim Kunstschwarm, ist der häufigste Grund für eine abgestochene Königin. Gib dem Volk Ruhe.
- Falscher Zeitpunkt: Während Drohnen im Volk fliegen, ist der Königinnen-Tausch riskant. Nutze lieber das Frühjahr oder den Herbst.
- Plastikclip vergessen: Bleibt der Versandclip drin, kommen die Bienen nicht an den Futterteig – die Königin bleibt eingesperrt und verhungert.


